Ninjalooter.de wird auch 2012 von der Gamescom berichten – als akkreditierter Pressevertreter

Benny 2019: Brettspiele mit Miniaturen spielen, Kindern Zöpfe flechten und am PC mehr programmieren als Videospiele spielen. Zeiten ändern sich. Veröffentlicht vonBenny Matthiesen

Viel Wirbel gab es in den letzten Tagen um die neuen Akkreditierungsrichtlinien der Gamescom 2012: Private Blogs erhalten in diesem Jahr erstmalig keinen Pressezugang. Manch einer glaubt darin eine Reaktion auf den überfüllten Business- und Pressebereich des vergangenen Jahres zu sehen. Für die Berichterstattung zur „weltgrößten Messe für interaktive Unterhaltungselektronik“ auf Ninjalooter.de haben wir nun von der Kölnmesse AG grünes Licht erhalten. Und ja, wir sind als grundsätzlich privat initiiertes Blog freier Videospiel-Redakteure durchaus stolz darauf, als für die Branche ausreichend relevant angesehen zu werden. Ein riesen Dankeschön gilt unserer treuen und stetig wachsenden Leserschaft.

Was war passiert?

Die für die Ausrichtung der Gamescom 2012 mitverantwortliche Kölnmesse AG gab am 24. April die neuen Akkreditierungsrichtlinien für Pressevertreter bekannt. In nur einem Satz wurde darin mitgeteilt, dass Personen privater Blog-Seiten erstmalig kein Anrecht auf ein Presseticket haben:

„Es werden keine Akkreditierungen an Inhaber privat initiierter Spiele-Homepages, privat initiierter Blogs sowie Podcast-Seiten ausgestellt.“

Blogger und Mitarbeiter nicht kommerzieller Videospielewebseiten werden 2012 somit lediglich aus dem ganz normalen Zuschauerraum, den für alle Besucher zugänglichen Ausstellungshallen, berichten dürfen. Im Gegenzug sorgt die Kölnmesse AG für einen flächendeckenden WLAN-Zugang auf dem Messegelände. Blogger und Privatpersonen sollen somit auch außerhalb der ohnehin extrem überfüllten Pressezentren über die Gamescom 2012 berichten können.

Die Blogger-Gemeinde reagierte prompt via Twitter, Blog-Beiträge und in den Kommentaren einiger Webseiten. Medienschaffende freuten sich einmal mehr, vom inflationär gebrauchten „Shitstorm“ schreiben zu dürfen. Kritik, Verständnis, Pöbeleien und Beifall gab es für die Kölnmesse AG.

Arbeit oder Vergnügen?

Bennys pure Arbeitsfreude auf der Gamescom 2010
Bennys pure Arbeitsfreude auf der Gamescom 2010

Ninjalooter.de ist eines dieser privat initiierten Blogs, das in der Vergangenheit über die Gamescom direkt aus den provisorischen Wohnzimmern einiger Entwickler, aber mehr noch von der Atmosphäre der Videospielemesse berichtet hat. Wir trafen uns zu Interviews mit Publishern und Designern, ließen uns im stillen Kämmerlein die kommenden Rollenspiele – egal ob on- oder offline – vorführen, kämpften mit dem stets kurz vor dem Zusammenbruch stehenden WLAN der Messe und aßen überteuerte Speisen im überfüllten Pressebereich im Stehen. Die Gamescom war für einen Teil der Ninjas in den letzten Jahren mehr Arbeit als Vergnügen. Artikel für Online- und Print-Medien mussten abseits unserer Dienste für Ninjalooter.de fertiggestellt werden. Davon bezahlen wir schließlich unsere Miete.

Was bedeutet das für Ninjalooter.de?

Daumen Hoch!Machen wir es kurz: Ninjalooter.de hat für die Gamescom 2012 grünes Licht für die Presse-Berichterstattung bekommen. Auf Anfrage teilten uns die Verantwortlichen mit, dass unser privat initiiertes Blog in seiner Größe ausreichend relevant für die Messe ist. (Imke, sollten wir mal korrekte Zahlen veröffentlichen? Unser Aufrufe-Zähler in den Artikeln funktioniert ja leider nicht richtig.) Auch diejenigen unter uns, die nicht parallel für ein Print-Medium arbeiten, werden somit bereits am Presse- und Fachbesuchertag, der den Heerscharen „normaler“ Besucher wie eh und je verschlossen bleiben wird, Einlass erhalten. Termine mit Entwicklern und Publishern können wahrgenommen, Kontakte geknüpft, die Werbetrommel für unser stetig wachsendes Blog gerührt werden. Hierfür gilt unseren Lesern ein riesiges Dankeschön. Ohne euch, euren Lesedrang, euren Diskussionswillen in den Kommentaren auf Ninjalooter.de und eurer Begeisterung für dieses Hobby hätten wir es nicht so weit geschafft.


Benny meint dazu:

Unsere Medienlandschaft verändert sich seit Jahren in rasendem Tempo. Der Hoheitsanspruch der „etablierten Medien“ lässt sich kaum noch vernünftig begründen. Gerade das Internet lebt von der Meinungsvielfalt und unterschiedlichst aufbereiteten Beiträgen. Die Meinung eines Bloggers von nebenan hat vor allem in der Videospielekultur einen ebenso festen Platz wie die kommerzielle Expertise eines Redakteurs. Mit der grundsätzlichen Aussperrung der Blogger geht die Kölnmesse AG einen Schritt in die falsche Richtung.

Durchstöbert man News-Seiten und Internetportale großer Verlage, fällt schnell auf, dass Festangestellte oder in Teilzeit Beschäftigte nicht zwangsläufig mehr von ihrem Handwerk verstehen als ungelernte Hobby-Reporter. News-Schnipsel werden hie und da von englischsprachigen Webseiten übernommen, Meinung und Nachricht vermischen sich nur allzu oft, qualitativ ansprechend redigiert werden Beiträge in den seltensten Fällen. Für den Leser bleibt es letztendlich einerlei, ob er die Fließband-Tipperei eines im Hauruckverfahren Angelernten (alternativ eines mal bezahlten, mal unbezahlten Praktikanten) oder manch ungelenken Versuch einer Privatperson liest. Gleichzeitig müssen wir selbst in staatlich finanzierten Medien „Quelle: Internet/Youtube“ lesen, Twitter-Kurznachrichten werden als „Meinung des Internet-Volkes“ ebenso zitiert wie Privatblogs für Medienpreise nominiert. Dazu bekommen wir von „echten Medien“ neben anspruchsvollen Reportagen eine sinnbefreite Klick-Strecke nach der anderen vorgesetzt – der journalistische Anspruch bewegt sich dabei allzu oft unter dem Niveau des Laien. Es bleibt: Wirkliche Perlen gibt es auf beiden Seiten.

Der grundsätzlicher Ausschluss privater Blogger wird der Sache nicht gerecht. Natürlich wurde in den vergangenen Jahren der Zugang zum Presse- und Business-Bereich von allerlei Großvätern und Enkeln mit Fachbesucher- oder Pressekarten belagert. Selbst die öffentlichen Besucherhallen waren von „Lasst mich durch, ich bin Presse, ich will ohne anzustehen als Erster spielen!“-Leutchen überflutet. Das war nicht schön. Auch uns fiel das auf. Wirklich geschäftig waren jedoch nur diejenigen, die über feste Interview- und Präsentationstermine mit einem Entwickler verfügten. Warum sollte das nicht auch für Privat-Blogger gelten? Wer es schafft, einen Termin zu ergattern – und damit von den Entwicklern selbst als relevant angesehen zu werden -, der soll diesen doch bitte auch abseits von Pressepass oder Impressumsnachweis wahrnehmen dürfen. Warum sollte der bloße Name eines Pressevertreters in schwarzer Tinte auf Papier gedruckt mehr wert sein,  als ein enthusiastischer Hobby-Blogger, der sich im Vorfeld um Kontakte und Termine gekümmert hat?

Gleiches gilt aber auch in die andere Richtung: Nur Blogger zu sein, muss einem nicht Tür und Tor öffnen. Auch heute darf man sich seine Sporen ruhig noch verdienen. Anstatt über die neue Situation zu lamentieren, sollten wirklich Interessierte den Hintern hochbekommen und das machen, weswegen sie Blogger sind: bloggen. Direkt von der Messe, mit eigener Meinung, mit kreativem Ansatz, mit langweiligen Bildergalerien und einem ganz persönlichen Fokus auf die Aspekte der Veranstaltung, die sie am meisten interessieren. Vielleicht merken die Messeleitung und die Industrie dann, dass eine willkürliche Unterteilung in Presse und Blogger nicht sinnvoll sein kann. Schon lange nicht in Zeiten absoluter Vernetzung. Exklusivinformationen werden von den Verantwortlichen ohnehin im großen Stile auf Pressekonferenzen und den entwicklereigenen Internetauftritten präsentiert. Dafür braucht man keinen Pressepass – nur einen Internetzugang und einen gut gefüllten RSS-Reader mit englischsprachigen* Webseiten.

 

*Nicht etwa, weil englischsprachige Webseiten besser als deutsche wären. Die sind nur meist etwas schneller, leiden seltener unter boulevardesken Überschriften und zwangsläufig nicht unter haarsträubenden Fehlübersetzungen.

Beteilige dich an der Unterhaltung

14 Kommentare

    1. Ich möchte auch lösen:
      3x an der unteren Eingangstür zum Pressebereich
      2x am Guild Wars / Arena Stand
      1x auf dem nördlichsten Freigelände / Raucherhof

      🙂

  1. freue mich schon auf die berichte. ich meinerseits werde dieses jahr wohl nicht auf die gamescom gehen.
    1. weil es an den öffentlichen tagen einfach zu voll geworden sind man und 1 tag nicht ausreicht damit man mehr als 2-3 spiele unter die lupe nehmen kann (erinnert sich an kilometerlange schlangen vom letzten jahr). Jetzt mal im ernst….warum verteilt die messe das nicht mehr? die benutzen doch nur die hälfte der hallen soweit ich das von schildern absperrungen und hallenplänen sehen konnte =)
    2. weil alleine darin rumlaufen den spass auch nochmal um 75% senkt =)

  2. Epic Win und ein dickes Gratz an Alle! <3

    Schaut bei Gelegenheit mal nach Lars, nicht dass das Kerlchen vor Freude über seinen Brief aus dem Fenster purzelt! 😀

  3. Gratz 🙂

    Ich finde auch, dass viele der „richtigen“ Videospielseiten immer weiter an Relevanz verlieren. Heute scheint es wichtiger zu sein, Themen schnell an den Mann zu bringen als Artikel mit Seele zu schreiben. Es mag ja sein, dass es gerade nicht einfach als Redakteur ist aber lieblose Berichte machen es nicht besser. Da fühle ich mich bei vielen Bloggern die noch die nötige Begeisterung mitbringen besser aufgehoben.

    Ein Tiefpunkt stellt für mich inzwischen die Game Star als Printausgabe dar. Da jammer ich vielleicht gerade bei den Falschen, aber es stört mich total, dass das Heft zu 70% aus (lieblosen) Gastbeiträgen besteht. Wenn ich ein Heft kaufe dann will ich die Tester kennen. Ich will einen kleinen Stamm den ich einschätzen kann und dessen Hintergrund ich kenne. Ich will die Meinung der Redaktion und nicht die von irgendwem… den Trend gibts sicher auch in anderen Magazinen aber GS lese ich halt seit ca. 14 Jahren (inzwischen mehr aus Gewohnheit als aus Überzeugung, naja und weil ich Analoge Medien mag…).

    Wie gesagt nichts gegen Freelancer im allgemeinen und schon gar nicht euch im speziellen. Ich lese und höre euch sehr gern.

    MfG Thomas

    1. Auch ich bin für feste Redaktionen mit Gesichtern, die einem etwas sagen, und Köpfen, in die man sich hineinversetzen kann, weil man schon x Tests und Beiträge dieser Redakteure gelesen hat. (Lese ich unter einem RPG-Test Luibl, dann weiß ich, dass da mehr über die Erwartungshaltung des Autors drin stehen wird, als eine tatsächliche Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Spiel. Auch kann ich mir da sicher sein, dass von Titel zu Titel die gleichen Spielelemente unterschiedliche bewertet werden. Dieses Wissen hilft ungemein bei meiner Bewertung eines Testartikels.)

      Glaube mir, wir alle waren und sind auf Festanstellungen aus. Nur hat es sich leider gezeigt, dass Verlage lieber Freie auf Abruf für Beiträge heranziehen, als ein steuerpflichtiges Beschäftigungsverhältnis anzubieten.

      Die Vorteile liegen auf der Hand: Wir kennen uns meist bei speziellen Titeln besser aus als feste Redakteure, da wir tatsächlich für Qualität/Hintergrundwissen sorgen müssen. Nur dann werden wir auch zukünftig bezahlt. Somit pumpen wir oft noch eins, zwei Stündchen mehr in einen Artikel, obwohl der tatsächlich bezahlte Arbeitsaufwand schon längst überschritten wurde. Dementsprechend kann ich dem Punkt der „lieblosen Berichte“ nicht zustimmen. Guides und Tests fressen meist wesentlich mehr unserer knappen Zeit, als wir in einer Festanstellung investieren dürften. Gut, gelegentlich wird die eigene Abgabe in der redigierten Fassung entstellt. Das ist traurig, aber Realität.

      p.s. Ich möchte mal wieder bezahlten Urlaub haben. Nur einen Tag. Hach, wäre das schön. Wobei. Jeder User, der den Adblock auf Ninjalooter.de deaktiviert, füllt mein Herz mit Freude. Das fühlt sich ’n bisschen wie Urlaub an. Und Liebe.

    2. Erstmal Glückwunsch zur erfolgreichen Akkreditierung. 🙂

      Das Thema Festanstellung wird in dieser Branche wohl auch noch lange (ewig?) eines bleiben. Es geht da ja auch nicht nur darum, dass die Leser die Redakteure kennen lernen wollen. Das ist zwar aus Sicht des Lesers und den genannten Gründen netter, aber ich kann auch gut mit Artikeln von freien Mitarbeitern leben, wenn sie denn gut sind.

      Aber aus Sicht des Redakteurs, ist man als freier Mitarbeiter eben jeden Monat neu darauf angewiesen, das Geld für Miete, Telefon, Internet, Spiel XYZ zusammen zu bekommen. Wirkliche Planungssicherheit, wie bei einer Festanstellung, gibt es einfach nicht.

      Ich habe auch überlegt, ob ich es nicht in diesem Bereich versuchen soll – und überlege immer noch. Die Imke erinnert sich vielleicht: vor circa einem Jahr habe ich beispielsweise über SW:TOR auf heldendaten.de geschrieben. Danach war ich noch einige Wochen bei einer Zeitung, bin nun aber „ausgewandert“ (Wien, ist ja fast Deutschland :P) und, und, und. Will sagen: man ist zwar flexibel, aber selbst in dieser kurzen Phase, wo ich auch ein paar Euro damit verdient habe, habe ich schon gemerkt, dass man dranbleiben und wohl (erstmal?) einfach damit leben muss, nicht fest angestellt zu werden.

      Ob es das wert ist? Ich glaube ja, aber das muss wohl auch jeder für sich entscheiden und ihr könnt da sicher mehr von erzählen, als ich. Und habt es ja sogar schon, z.B. im Ninjacast mit Harald Fränkel. Ein Urgestein der Branche, der nach der Kündigung durch Computec (PC Action) auch „nur“ noch als freier Mitarbeiter tätig ist, wenn ich nicht irre!?

      Ich habe den Ad-Blocker übrigens deaktiviert. Auch nicht nur bei euch, sondern überall. Eben wegen genau dem, was ich oben geschrieben habe. Und natürlich, damit Benny Freue, Liebe und Glückseligkeit erfährt!

    3. Harald war lange Zeit noch nicht mal mehr Freiberufler, weil er für das wenige Geld einfach nicht mehr die Mordsarbeit leisten wollte bzw. weil die Redaktionen einen erfahrenen Schreiberling wie ihn einfach nicht vernünftig bezahlen konnten. Als Urgestein und Stelv-Chef-Redi eines Print-Magazins will man sicherlich auch nicht ständig mit günstigen Neulingen konkurrieren, die denselben Job vielleicht schlechter aber dafür umso günstiger erledigen. Im Moment tobt er sich im „Lets Play“-Bereich aus (http://www.haraldfraenkel.de/).

  4. Hallo,

    ich hoffe stark, dass ich Benny´s Herz erfreue wenn ich ihm sage das ich für Ninjalooter schon lange den Adblocker deaktiviert habe.

    Und nein das tue ich nicht für alle Seiten da viele auch einfach viel zu aggressiv mit den Werbeformen umgehen!

    Das mit dem Gehalt und mit der Festanstellung ist ja nun keine neue Entwicklung. Die „Hochzeiten“ der Print Zeitschriften sind irgendwie vorbei aber eventuell sind es gerade Nischenseiten wie Ninjalooter.de die im kommen sind ebend weil sie wieder nah dran am Leser sind und die Redaktion ein Gesicht hat.

    Gerade das wird seid Jahren immer weniger ob nun bei Gamestar, PC Games oder Gamepro etc. Viele Leute die die Tests und die Schreibe geprägt haben sind weg und viel wird ersetzt durch externe weil der Kostendruck auch zu groß wird (die Auflage geht ja überall runter).

    Ich genieße das hier schon eine ganze weile und würde mich freuen, wenn es irgendwann mal einen guten Nebenverdienst für euch ergeben würde.

  5. Zum einen Glückwunsch und freut mich für euch,
    zum anderen schon irgendwo auch schade, dass man da dann ohne Laufzettel in Form eines redaktionellen Auftrages solche Hürden überwinden muß.

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