Benny 2019: Brettspiele mit Miniaturen spielen, Kindern Zöpfe flechten und am PC mehr programmieren als Videospiele spielen. Zeiten ändern sich. Veröffentlicht vonBenny Matthiesen

Abo ist tot, Free2Play die Zukunft. Das liest man seit einer gefühlten Ewigkeit in Online-Kommentaren, Kolumnen und seit kurzem immer öfter in Interviews mit Entwicklern und Publishern. Star Wars: The Old Republic zappelt als jüngstes und zugleich prominentestes Abo-MMORPG an diesem Rettungsanker. Und wie zu erwarten, schießen die Vergleiche mit den vermeintlich erfolgreichen Hybriden aus Abo und Free2Play, Der Herr der Ringe Online und Age of Conan, in den Kommentarspalten empor. Doch dienen diese tatsächlich als Paradebeispiele gelungener Free2Play-Umstellungen? Und was haben vor allem die aktiven Spieler davon?

Totgesagte leben länger

Der Herr der Ringe Online und Age of Conan gibt es immer noch. Soviel zur guten Nachricht. Die einstigen Abo-MMORPGs halten sich seit der Umstellung auf das sogenannte Hybrid-Modell, das den Spielern die Wahl zwischen monatlichen Gebühren und Investitionen im hauseigenen Ingame-Shop lässt. Seither bleiben die Totsagungen aus, die noch zum Ende der Nur-Abo-Zeit immer wieder die Runde machten.

Stattdessen gab es sowohl bei HdRO als auch AoC nur wenige Wochen nach der Umstellung je eine Erfolgsnachricht seitens der Entwickler: Die Einnahmen mit der Tolkien-Welt verdoppelten sich nach nur einem Monat und das bis dato einzige MMORPG für so richtige Erwachsene, also Möpschen- und Blutlüsterne, zog innerhalb eines Vierteljahres 600.000 neue Spieler in seinen Bann – mittlerweile haben über 3 Millionen ihr Näschen gen Hyboria gereckt.

Natürlich bleibt es fraglich, in wie weit es für das Unternehmen profitabel ist, dass Spiel-Accounts kostenfrei erstellt wurden. Schon Runes of Magic, ein Free2Play-Titel von Beginn an, „warb“ mit Zahlen in ähnlicher Größenordnung. Nicht nur für Spieler, sondern auch für die Presse und Menschen, die glauben, sich damit auszukennen, besitzen diese jedoch keinerlei Aussagekraft. Wie viele Accounts bereits Spinnenweben ansetzen, erfährt niemand. Kein Vergleich also zu den Sternchen-Accountangaben eines World of Warcrafts.

Was bleibt: Free2Play scheint sich für die Entwickler insoweit zu lohnen, als dass die Spiel-Server nicht abgestellt werden. Auch lästige Horrormeldungen zu sinkenden Abonnentenzahlen müssen nicht länger veröffentlicht werden. Die Negativ-Berichterstattung bleibt größtenteils aus. Stattdessen heißt es immerzu: „Ist ja kostenlos, mit ‘ner Schnupperrunde kann man nichts verkehrt machen.“

Was haben die aktiven Spieler von der Umstellung?

Tatsächlich stelle ich mir bei jeder Meldung zu neu eröffneten Accounts oder Umsatzsteigerung (Umsatz ist nicht Gewinn) die Frage: Was interessiert es mich? Letztendlich geht es Spielern – dagebliebenen sowie neu hinzugekommenen – darum, unterhalten zu werden. Mindestens so gut wie vor der Umstellung und im Falle eines Der Herr der Ringe Online hoffentlich wieder so gut, wie zu Zeiten der Ursprungsversion Schatten von Angmar oder auch der ersten Erweiterung Die Minen von Moria.

Und an dieser Stelle beginnt für mich als langjähriger HdRO-Spieler der Mythos vom Rettungsanker Free2Play zu bröckeln. Denn was für mich zählt, sind die Spielinhalte, keine ominösen Account-Zahlen oder Rekorde.

Beispiel: Der Herr der Ringe Online

Zumindest der tolkienchen Online-Welt merkte man allerspätestens mit der zweiten Erweiterung namens Die Belagerung des Düsterwalds den immer zäher fließenden Geldstrom an. Die Inhalte wurden flacher, kleiner, seltener und immer stärker an die „Standards“ des Genres angepasst, was eine vollständige Abkehr des Originalspielprinzips darstellte.

Statt auf Abenteuerreise zu gehen und eine lebendige Welt bis in die kleinsten Winkel zu erkunden, ging es letztendlich nur noch um immer bessere Ausrüstung, die man sich in immer gleichen Instanzen und Scharmützeln über unsinnig viele Marken erspielen musste. Das einst gleichwertige Handwerk verlor ebenso an Bedeutung wie der PvP-Aufsatz in den Ettenöden. Patches, die vormals in regelmäßigen Abständen von zwei Monaten neue Gebiete und andere Inhalte nachreichten, ließen auf sich warten.

Noch trauriger für alteingesessene Hobbits, Elben, Zwerge und Menschen wurde es mit der Isengart-Erweiterung, die wie ihre Vorgänger zum stolzen Preis von rund 35€ unter die Spieler gebracht wurde. Der Umfang beschränkte sich auf drei neue Gebiete; spielenswerte Systeme wie die legendären Waffen aus Moria oder die Scharmützel des Düsterwaldes fehlten. Obendrein hielt Turbine die angekündigten Instanzen der dritten Erweiterung zurück, um sie einige Monate später zumindest kostenfrei nachzuliefern. Gleichzeitig konzentrierten sich die Entwickler auf die Überarbeitung der alten Spielwelt.

Mittels Patches wurden ganze Regionen der Ursprungsversion und Morias an den MMORPG-Standard von vor drei Jahren angepasst und Klassen überarbeitet. Das mag für neue Spieler schön sein, Abonnenten wie ich, die immer noch ihr Glück in Eriador suchten, hatten allerdings nichts davon. Stattdessen durften wir fünf Jahre alte Instanzen abermals für Marken, Marken und Marken besuchen – dank des Instanz- und Scharmützel-Gruppen-Tools noch komfortabler als zuvor. Auch ein neues Gebiet sowie ein Scharmützel wurden für zahlende Abonnenten ohne Zusatzkosten nachgereicht. Euphorisch kann man ob dieser Leistung wahrlich nicht sein. Die Server mögen noch immer laufen, aber ein hochwertiges MMORPG sieht anders aus.

Zu allem Überfluss kam die Übernahme des europäischen Vertriebs durch das Entwicklerstudio Turbine, Inc. im Laufe der Düsterwald-Erweiterung hinzu. Allein dieser Umstand verbietet es, den Vergleich mit HdRO zu suchen, wenn es um erfolgreiche Free2Play-Umstellung geht. Es ist schlicht nicht einwandfrei festzustellen, ob der rapide Qualitätsabfall vor allem der deutschen Version nun an der Umstellung oder der Übernahme liegt.

Selbst ein Jahr nach Veröffentlichung Isengarts sind deutsche Quest-Texte reich an Grammatik- und Rechtschreibfehlern, gesprochene Dialoge teils in englischer Sprache, Verbindungsprobleme an der Tagesordnung, KI-Fehler in Instanzen und Scharmützeln verhindern das erfolgreiche Abschließen ebendieser. Und wer keine Lust darauf hat, in Sarumans Vorhof von hilfesuchenden NSCs immer wieder auf Vorratssuche, Vernichtungstour feindlicher Vorräte oder Vorratsdiebstahl geschickt zu werden, der sollte gleich ganz die Finger vom Herrn der uninspirierten Standards-Quests lassen, leider.

Ob es mit der am 5. September 2012 erscheinenden vierten Erweiterung, Die Reiter von Rohan, (37,99 – 64,99€ in den diversen Vorbesteller-Versionen) eine Besserung geben wird? Der Kampf hoch zu Ross sieht zumindest nach einem erfrischend neuen Spielsystem aus. Aber erst nach Protesten der Community werden die Entwickler Erweiterungs-Käufer doch nicht doppelt zur Kasse bitten. Ursprünglich sollten die Vorbesteller-Versionen trotz stolzem Preis keinerlei Instanzen oder Ingame-Shop-Punkte beinhalten. Diese Inhalte hätten noch ein paar zusätzliche Scheine aus Euren Taschen gezogen. Was noch zu Moria, Düsterwald und – zumindest nachgereich – Isengart-Zeiten selbstverständlich war, muss nun von den Spielern lautstark eingefordert werden.

Es mag zu Der Herr der Ringe Online keine Horrormeldungen bezüglich sinkender Abonnementzahlen geben, aber eine blühende, neue Free2Play-Welt sieht anders aus. Aufgrund der jährlich erscheinenden, kostenpflichtigen Erweiterungen ist es zudem weit von einem klassischen Free2Play-Titel entfernt.

Wo liegen die Probleme SWTORs?

Mangelt es Star Wars: The Old Republic tatsächlich nur an zahlungswilligen Spielern? Oder sind es nicht vielmehr die fehlenden Inhalte, die noch zur Veröffentlichung Ende 2011 versprochen wurden und gut ein Dreivierteljahr später noch immer nicht den Weg ins Spiel gefunden haben? Wird die persönliche Klassen-Geschichte irgendwann einmal erweitert? Und warum sollten Free2Play-Spieler zahlen, wenn ebendiese Geschichte doch Teil der Gratis-Version sein soll?

Wird das PvP-System in absehbarer Zeit konkurrenzfähig oder im Falle Ilums überhaupt erst einmal spielbar? Wird BioWare Spieler in zwei separierte Gruppen drängen, wenn Zugänge zu Planeten-Quests, Flashpoints oder Kriegsgebieten im Ingame-Shop gekauft werden müssen? Der Herr der Ringe Online bietet zumindest ansatzweise die Möglichkeit, Shop-Währung durch ohnehin obligatorische Aufgaben (Das Buch der Taten) in einem anständigen Rahmen zu erspielen – wenn man die Zeit dafür hat.

Wie steht es um Age of Conan?

An dieser Stelle könnte ich den Artikel mit etwas Halbwissen füllen. Aber das will ich gar nicht. Zu wenig Zeit habe ich in Age of Conan gesteckt, um tatsächlich sachkundig einen Qualitätsvergleich alter und neuer Inhalte für Abonnenten anstreben zu können. Deswegen gibt es die liebe Bitte: Schreibt uns in den Kommentaren, wie ihr die Free2Play-Umstellung Conans erlebt habt und ob sich langjährige Spieler wirklich über mehr als nur noch laufende Server freuen können.

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7 Kommentare

  1. Servus,

    meine erfahrung mit AOC und dem F2P:
    am anfang war hielt sich die Freunde in Grenzen. Startgebiet gefüllt mit MMO-Springern, die nur mal reinschnuppern wollen in Kombination mit 13 Jährigen, deren Taschengeld vorher für ein MMO nicht gereicht hat.

    nach einiger zeit bemerkten wir (mit wir meine ich meine gilde), das wir viele bewerbungen bekommen haben, der spielerschwund war für einige zeit gegessen. problem bei der sache: zwei klassengesellschaft innerhalb der gilde, weil die abozahler in jede instanz gehen können, während die F2P spieler aussen vor blieben. fazit: die neuen spieler haben uns nicht viel gebracht.

    jetzt stehen wir wieder am selben punkt wie damals, bevor die umstellung auf F2P kam. die F2P-spieler haben zum größtenteil aufgehört. abonennten auch, weil man mit F2P-mitspielern nichts anfangen kann und weil der spielspass gesenkt wurde durch den F2P inhalt (auch für abonennten.

    mfg
    khaalan

  2. Oi Benny?

    Nun würde mich unheimlich interessieren, was du machen würdest, wenn ein Spiel wie dein geliebtes HdrO / LotrO eingestellt werden müsste, aufgrund fehlender Subscriber wie es damals war. Was würde deiner Meinung nach ein Spiel retten, dass keine neuen Spieler bekommt und alte abwandern?

    1. Das Spiel müsste wahrscheinlich eingestellt werden. Und dagegen ist auch nichts zu sagen, wenn es nicht wirtschaftlich ist. Seit der Umstellung/Umzug HDROs kann man aber nicQ von „gelungen“ sprechen, wo doch die ursprüngliche Qualität extrem unterschritten wird. Der Abonnent hat durch die Umstellung jedenfalls nichts gewonnen.

  3. Viele MMORPGs werden doch schlussendlich nur am Leben erhalten um ihnen noch den letzten Tropfen Blut rauszusaugen.. Wenns n Pferd wäre, müsste mans erschiessen. Den Spruch kann man doch leider bei viel zu vielen MMOs anbringen. Selbst WoW (Godmaster of Geldmaching) ist so ein Fall.. Die einzige Hoffnung für mich liegt zur Zeit in Guild Wars 2 oder The Secret World. Wobei IMHO einzig Guild Wars 2 die Chance bekommen wird, sein Potential richtig zu nutzen.

  4. Meiner Meinung nach ist die Free 2 Play Umstellung kein langfristiges Model. Kurz nach der Umstellung wird zwar eine Menge Werbung gefahren und viele Spieler springen in die neue Welt aber nach 2-3 Monaten sind sie wieder verschwunden. Ich würde sie mal Free 2 Play Nomaden nennen. Meine Eltern gehören auch dazu. Wird ein Spiel free 2 play dann wird es gestestet und „kurz“ gespielt bis es langweilig wird. In der Zeit investiert man vielleicht sogar ein bisschen Geld. Meine Eltern haben zwar 10x soviele MMOs gespielt wie ich aber in keinem einzigen haben sie auch nur im Ansatz das Endgame gesehen.

    Natürlich will ich nichts gegen diese Spielweise sagen, aber sie führt den MMO Grundgedanken ins Absurde. In ein MMO möchte ich versinken und mich nach Möglichkeit über Jahre an das Spiel und die Spieler binden. Wenn es da aber eine Masse an Spielern gibt die niemals soweit kommt und immer nur zwischen den MMOs hin und her springt, warum dann als Entwickler Geld in Highlevel Inhalte investieren? Am Ende kommt sowas wie GW2 raus. Ein Spiel welches sich gar nicht erst die Mühe macht Endgame Inhalte zu haben sondern auf PvP Spieler und die MMO Nomaden abziehlt (winkt Holger der sicher gleich angesprungen kommt um GW2 zu verteidigen^^).

    Ich könnte auch jedes Mal in den enrage Modus gehen wenn ich im Rift Forum oder im Anfängerchat die Frage lese ob Rift bald free 2 play wird. Das Spiel sei total toll und man würde es ja gern weiter spielen aber will keine 12€ bezahlen… Ich meine wenn ein Spiel gut ist warum wollen die Leute dann nichts mehr dafür bezahlen? In was für einer Welt leben wir denn?

    1. Zahlen würde man schon, aber eben kein Abonement.

      GW1 hat dort richtig angesetzt und gesagt, wir machen ein Multiplayerspiel für den Preis eines Singleplayers.
      Und siehe da, es hat funktioniert bis man aufgehört hat, neue Inhalte nachzuschieben. Danach ab 2008 begann das warten auf GW2 und das langsame Sterben. Wenn man alles mit vielen Charakteren gesehen hat, wird selbst das schönste Spiel irgendwann langweilig.
      Ich würde selbst 100€ für ein Spiel ausgeben, daß dann aber auch mir gehört.
      Sprich; es muß mich über einen Testzeitraum so fesseln, daß ich sage, ich kaufe es und dann kann ich spielen wann ich will.
      Ein Spiel zu mieten, sei es für 13€ oder auch nur für 5€ kommt allerdings nicht in Frage. Ich will auch nicht alle paar Minuten über eine Shop stolpern. In diese Richtung geht mir GW2 schon wieder viel zu sehr. In GW1 war er wesentlich dezenter eingebaut als im Nachfolger. Es ist allerdings noch erträglich.
      Bei mir scheitern Abospiele also nicht an der Unwilligkeit zu zahlen sondern am Mietverhältnis.

      MfG Lux

  5. Jeder kann denken was er will zu der F2P-Umstellung von HdRO. Meiner Meinung nach ist die Umstellung zwar nicht ganz sauber verlaufen, die Umstellung an sich hat aber doch einiges gebracht. Zumal das Spiel wirklich komplett kostenlos spielbar ist. Zwar benötigt man dafür haufenweise Zeit, aber es ist nicht wie bei RoM wo man dann doch für den Endcontent zahlen musste. HdRO ist für mich einfach ein super MMORPG und deswegen freue ich mich auch schon riesig auf Reiter von Rohan. 🙂

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