The Wolf Among Us – Die Zombies sind tot, lang lebe der Wolf!

von 12. Oktober 2013 um 10:22 3
Wirkt fast wie ein Film Noire: Mit The Wolf Among Us verzaubert Telltale Adventure-Freunde

Telltale begeistert Adventure-Freunde mit einem neuen Meisterwerk: The Wolf Among Us – Episode 1: Faith ist erschienen. Und wer das grandiose The Walking Dead aus dem gleichen Studio kennt, findet sich sofort zurecht, denn Telltale erschafft erneut das, was sie am besten können: Wenig Spiel, viele Entscheidungen, eine packende Story und eine unheimlich gute Atmosphäre. 

In The Wolf Among Us verschlägt es Euch ins zeitgenössische New York allerdings mit einem kleinen Schmankerl: Märchenwesen leben hier. Versteckt vor den Menschen, haben sich zahlreiche Fabel- und Märchenfiguren in der Metropole niedergelassen, in einer Parallel-Gesellschaft namens Fabletown. Allerdings sind es nicht die freundlich-fröhlichen Disney-Figuren, sondern eher abgefuc…wrackte, düstere Versionen der Kinderhelden. Um nicht erkannt zu werden, muss jeder einen Hexenzauber namens „Glamour“ auf sich sprechen lassen, damit man in menschlicher Gestalt umherwandelt. Die gesamte Hintergrundgeschichte basiert auf den Fable-Comics von Bill Willingham und zieht sofort in ihren Bann. Ihr steuert die Geschicke von Sherif Bigby, alias der große böse Wolf. Andere prominente Märchenfiguren, denen Ihr über den Weg lauft, sind etwa Schneewittchen, die als Sekretärin der „Stadtverwaltung“ arbeitet, der Schönen und dem Biest, einem der drei kleinen Schweinchen, dem Froschkönig, der nun Hausbesitzer einer recht abgehalfterten Mietskaserne ist und diversen Weiteren. Und wie schon bei The Walking Dead sind es diese Charaktere, die The Wolf Among Us den speziellen Reiz verleihen. Jede Figur wirkt komplett durchdacht und ist stimmig inszeniert, man baut direkt eine Bindung zu den Personen auf.

Der erste Auftritt vom Sheriff gipfelt direkt in einer Schlägerei – wenn Ihr Euch entsprechend entscheidet. Denn wie bei Telltale-Abenteuern üblich geht es hauptsächlich um Entscheidungen und deren Konsequenzen. In jedem Gespräch, dass Euer Charakter führt, müsst Ihr meist unter Zeitdruck eine Antwort geben. Diese beeinflusst den Verlauf der Geschichte dauerhaft, nur wer ein neues Spiel beginnt, darf alternative Wege einschlagen. Zurück zum Faustkampf. Ihr trefft den Holzfäller und das Freundenmädchen Faith, zwischen denen es zum Streit kam. Geht Ihr dazwischen, folgt eine Prügelei mit dem Holzfäller (Übrigens im englischen derjenige, der Rotkäppchen und die Großmutter vorm bösen Wolf, eben unserem Sheriff gerettet hat, in der Grimmschen Varianten des Märchens der Jäger). Hier setzt Telltale erneut auf Quicktime-Events. Schnell mehrfach auf Taste Q hämmern, rechtzeitig W,A,S,D benutzen oder im passenden Moment einen Gegenstand anklicken und so dem Widersacher einen Kinnhaken zu verpassen oder ihn aus dem Fenster zu werfen… Bewähre Elemente also, auf die Telltale setzt.

Womit The Wolf Among Us am meisten punktet, ist die grandiose Story. Denn Hals über Kopf steckt Sheriff Bigby in einem mysteriösen Mordfall und geht auf Spurensuche. Ihr klappert Tatorte ab, verhört Zeugen und Verdächtige, geht auf Verfolgungsjagd und trefft – natürlich – Entscheidungen noch und nöcher. Die erste Episode „Faith“ endet dann auch nach knapp 2 Stunden Spielzeit mit einem grandios-gruseligen Cliffhanger, die Wartezeit auf Folge 2 wird also zur Tortur. Wer das nicht aushält, kann sich die gut 23 Euro noch sparen, für die das Spiel gerade bei Steam, im Playstation Network oder via Xbox-Live erhältlich ist, und wartet aufs Staffelfinale, das nach fünf Episoden erreicht ist. Wann ist noch nicht offiziell bestätigt, wer jetzt kauft, bekommt allerdings alle Episoden. Für alle, die auf die Telltale-Adventures stehen, ist der Wolf ein Pflichtkauf. Für alle, die noch nie so ein Adventure gespielt haben auch – denn was hier an Atmosphäre rüberkommt, macht Hollywood locker Konkurrenz. Trotz schmuddeligem Comic-Look sieht The Wolf Among Us prächtig aus, nicht etwa weil die Grafik technische Maßstäbe setzt, sondern weil sie perfekt zum Szenario passt. Bildwahl, Kamerawinkel und die grandiose Musikuntermalung sind weitere Eckpfeiler eines tollen Spiel-Erlebnisses. Ebenfalls hervorragend sind die englischen Sprecher. Englisch-Kenntnisse sind Pflicht, eine deutsche Version gibt es nicht.

Kommentare

3 Wordpress-Kommentare

  1. Danke für den kleinen Ausflug (schreibt man das seit der V-mierung der Bierwerbung nun mit F oder V?… AusVlug… *g) in den neuen Interaktiven Film der „Back to the Future“ und „The Walking Dead“-Adventure-Macher.

    Ich bin froh, dass sich jemand mit dem Thema befasst (Onlineartikel sind ja kaum vertreten, ab und zu hat man jemanden, der in der SteamDampf-Freundesliste das Spiel spielt… aber so richtig bekommt man kein Fazit raus.

    Dein Review ist zwar nett und toll – aber geht es nur mir so, oder hast du noch keine subjektive Meinung?
    Du zählst nur Fakten des Spiels auf – aber nicht was du persönlich zu nörgeln hast oder was dir besonders (außer den Sprechern oder der Art der Erzählung) gefällt….
    Ok, einen Vergleich zu anderen Adventures ist nicht von Nöten … doch was hätte man besser machen können? Ziehen sich die 2 Stunden Spielzeit? Lohnt es sich die erste Episode zwei mal zu spielen?

    Ich bin noch hin und weg von TWD …. und bin ehrlichgesagt skeptisch und erwarte vielleicht auch zu viel vom dem Spiel – und habe somit Angst, es könne mir nicht gefallen, weil es meine Erwartungen nicht erfüllt…..

    Ich warte mal auf Episoden 2, 3 und vielleicht 4… dann ist es eventuell im Steam Christmas Sale…. oder … oder.. ich werde schwach.

    Ach ja:
    Danke Flo für das Review 😉

    • Also mir persönlich gefällt es sogar noch besser, als TWD. Ich mag dieses Märchen-Setting extrem und ich finde es cool, dass man nun quasi als Detektiv Verbrechen aufklärt. Spielerisch ist es wie alles von Telltale: Bisserl Reden, was entscheiden, Items nehmen, was entscheiden, Quicktime-Prügelei, was entscheiden etc. Mehrfach durchspielen lohnt sich definitiv, da sich zwei Mal verschiedene Handlungsstränge ergeben können (was man bisher absehen kann zumindest) und entsprechend kritische Entscheidungen anstehen (die auch glasklar hervorgehoben werden, was auch besser als bei TWD ist). Aber das Warten auf weitere Teile ist eigentlich clever, so haste die ganze Nummer am Stück. Aber ich war so ungeduldig 😉

    • Ich werde schwach -.-

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