Rise of the Tomb Raider: Laras Überlebenskampf ist das bessere Spiel

von 17. Februar 2016 um 11:11 0
Rise of the Tomb Raider: Laras Überlebenskampf ist das bessere Spiel

Lara Croft ist zurück und kämpft ums Überleben. Nicht etwa in Rise of the Tomb Raider, dessen Haupthandlung nicht mehr hergibt als dass ein übermenschliches, extrem tödliches Uni-Mädchen zur Massenmörderin wird, sondern im Ausdauermodus. Denn wenn Hunger und Kälte den Tod bringen können, glänzt RotTR mit fantastischem Gameplay.

Man kann Rise of the Tomb Raider mögen, das geht sogar ganz einfach: Crystal Dynamics hat verstanden, tolle Kletterpassagen, interessante Gebiete, die zum Erkunden einladen, und merklich reduzierte Kampfeinlagen in Laras neuestes Abenteuer zu packen. Nur bei der Story hapert es – und dennoch hat RotTR eine Auszeichnung für das beste „Writing 2015“ bekommen – verrückt.

Diese Diskrepanz zwischen mäßiger Erzählung und Spielinhalt zeigt sich vor allem im quasi nicht vorhandenen Überlebenskampf der wendigen Archäologien: Zwar bibbert und ächzt Lara ununterbrochen, während sie durch die sibirische Wildnis stampft, aber abseits des allzeit präsenten Stöhnens trotzt sie spielend jeder Gefahr: Kälte? Kein Problem, die beißende Kälte Sibiriens ist selbst im knappen Tank-Top zu ertragen. Fragt sich nur, warum man Lara da eine dicke Winterjacke anziehen sollte?

Und so schießt und prügelt sich die frischgebackene Uniabsolventen wie eine 1-Frau-Armee durch die Reihen eines Artefakte suchenden Kultes. Gefahr droht dabei nur von knapp bemessenen Quicktime-Events, die unumstößlich den Tod bedeuten.

Überlebenskampf

Das ist schade, weil doch der Überlebenskampf in einer durchgehend feindlichen Umwelt so viel mehr hergeben würde. Dass das auch Crystal Dynamics verstanden hat, zeigt sich beim Ausdauermodus. Der muss allerdings erst einmal für 10 Euro als optionaler DLC hinzugekauft werden. Ehrlich, ihr Buchhaltungsfutzis?

Dafür bietet er genau die Unterhaltung, die mir im Story-Modus fehlt: Hunger und Unterkühlung sind Laras ständiger Feind, während sie in der Schneewüste Sibiriens nach Artefakten sucht. Unterirdische Krypten voller Fallen, feindliche Soldatencamps und garstige Wolfsrudel sorgen dafür, dass jeder Ausflug weg vom wärmenden Lagerfeuer ein spannendes Unterfangen werden. Wer nicht jagt, wird jämmerlich verhungern. Wer zu tief in den Wald vordringt, ohne sich mit Rohstoffen einzudecken, wird allmählich erfrieren.

Und immer lockt dabei die Aussicht auf kostbare Artefakte. Lara plündert verlassene Hütten, sammelt Beeren von Sträuchern, tüftelt an ihrem Bogen, um diesen präziser und tödlicher zu machen, schärft im Laufe der Zeit ihre Sinne und – so banal es auch klingen mag – kämpft ums Überleben. Es ist ein Abenteuer, das davon lebt, nicht zu wissen, ob sie den nächsten Sonnenaufgang noch erleben wird, ob dieser Schneesturm der letzte ist oder ob sich doch endlich das lebensrettende Signalfeuer hinter der nächsten Bergformation befindet.

Der Ausdauermodus in Rise of the Tomb Raider lässt die wenig kreative Handlung des Hauptspieles hinter sich und schafft stattdessen Abenteuer, die sich jedes Mal neu schreiben. Hier steht das wunderbare Gameplay im Mittelpunkt. Und das ist grandios.

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