Angelmeister in New World ♡ Veröffentlicht vonImke

ICCDie Sommerpause ist vorbei, nur die sonst so hartgesottenen Raider wollen einfach nicht aus ihren Schneckenhäusern kriechen. Raidtermine werden aufgrund mangelnder Helden-Anwesenheit verschoben oder gar ganz abgesagt und das, obwohl die Gildenleitung fest davon überzeugt ist, endlich wieder durchstarten zu können. Aufgrund der permanent geplatzten Metzelabende verlassen die ersten Spieler ihre heimische Truppe, schließen sich vielversprechenderen Raidzusammenschlüssen an oder hören gar ganz auf zu zocken. Ein an sich ganz normales Verhalten kurz vor der Veröffentlichung einer neuen Erweiterung, wären da nicht einige sehr dreiste und zugleich amüsante Begründungen für den Abschied aus der sonst so geliebten WoW-Familie.

Ich raide in einer eher Casual orientierten Gilde mit den unterschiedlichsten Arten von Spielern: Pärchen und Ehepaare, jugendliche Draufgänger mit einem teilweise recht losem Mundwerk, Studenten mit den abenteuerlichsten Spielzeiten, Schichtarbeitern und jede Menge im TS akustisch unverständlichen Österreichern. Unser Gildenoberhaupt hat alle Mühe diesen chaotischen Haufen zu organisieren und feste Raidtermine festzulegen. In den letzten Jahren gelang ihm das jedoch so gut, dass wir trotz unseres Mottos „Hauptsache Spaß!“ den dritten Platz im serverinternen Gildenranking einnahmen. Ein Platz auf den wir eigentlich mehr als stolz sein sollten, wäre da nicht dieses fiese Bedürfnis einiger Mitstreiter immer noch ein Quentchen mehr erreichen zu müssen. Ja, der olle Lich King MUSS noch mit zehn Leuten im heroischen Modus liegen und zwar noch vor den anderen beiden Gilden, die ein Treppchen über uns stehen. Und ja, wir MÜSSEN noch alle ICC-Erfolge durchprügeln – komme was wolle.

Aber warum MUSS etwas überhaupt erreicht werden? Weil ein geringer Anteil der Gilde das für erstrebenswert hält oder weil ihnen sonst der eigentliche Grund WoW zu spielen abhanden kommt? Stimmen wir doch einfach demokratisch darüber in der Gilde ab. Dann sehen wir ja, wer hier was überhaupt machen will. Ganz blöder Fehler! Denn natürlich stimmt der Großteil gegen dieses Pflichtprogramm und entscheidet sich für ihren von vornherein präferierten Weg des Casual-Helden. Gut, machen wir einfach weiter wie bisher und alle sind zufrieden wie eh und je. Noch größerer Fehler! Denn just in diesem Moment entscheidet sich mindestens einer der inzwischen zu einem Hardcore-Spieler mutierten Über-DPSler oder 80k-Tanks eine Kehrtwendung vorzunehmen. „Ich werde zur Saubärenbande wechseln!“ – BÄÄÄÄÄM! Der hat gesessen. „Das hast du genau wann entschieden?“ – „Gestern. Die ganzen Trys im 10er gehen mir auf den Zeiger und 25er ist ICC Skelettdrachemir zu langweilig. Ich hoffe, ich mache euren 25er damit nicht unmöglich – ein DD sollte ja zu ersetzen sein.“ Ein DD könnte unter bestimmten Umständen tatsächlich irgendwie zu kompensieren sein, jedoch nicht der mit dem weitaus höchsten Kawumms in der Schlachtgruppe. Was denkt er sich dabei? Dass wir vielleicht Jaina Proudmoore, Obermagierin vom Dienst, persönlich in unsere illustre Runde aufnehmen und dann alles im Hardmode innerhalb von einer Millisekunde umnatzen? Nein, er geht sogar noch weiter in seiner „Ich geh mal wo anders hin, um meine Erfolge endlich zu kassieren“-Ansprache. „Auf lange Sicht spiele ich mit dem Gedanken auch wieder zurück zu kommen, wenn ich genug vom Progress hab.“ Ach so ist das. Bei der neuen Gilde einen auf Topmacker machen, um dann nach erfolgreichem Abstauben an den heimischen Herd zurückzukehren. Denn da gibt’s ja immer diese lustigen und freundlichen Leute, die mir irgendwie doch ans Herz gewachsen sind. Ja, geht’s noch? Ja es geht noch besser, denn „Flo [Gildenleiter] weiß noch nix von seinem Glück, aber ich komm deswegen nochmal ins TS Wink„. Halleluja! Da freut man sich ja richtig als Gildenoberhaupt eine solche Nachricht am Abend des ersten Raids nach Beendigung der Sommerpause zu lesen. Der symbolisch als Friedensfahne dahingeklatschte Zwinkersmiley nützt dem Schreiberling da auch nichts mehr. Ein Krieg zwischen zwei Fronten bricht aus.

Motivation im Keller, zutiefst enttäuschte Gesichter seitens der Bewunderer des Fahnenflüchtlings und erste zustimmende Äußerungen der vermeintlichen Nachahmer. „Back to the Roots“ habe ich meinem total geknicktem und irgendwie erstmals erschöpft wirkenden Gildenchef geraten. Denn er hat etwas geschafft, was nie jemand von unserer Truppe erwartet hätte. Lange wurden wir nur müde belächelt und haben uns mit seltsamen Raidverbünden über Wasser gehalten. Doch irgendwann war der Punkt erreicht an dem man uns kannte und tagtäglich neue Bewerbungen ins Forum flatterten. Wir sollten uns auf unser altes Motto berufen und zu unseren Wurzeln zurückkehren. Denn nur damit sind wir das geworden was wir heute sind: die drittbeste Gilde des Servers.

Beteilige dich an der Unterhaltung

13 Kommentare

  1. WoW, Gilden und als persönlicher Ehrgeiz deklarierte Sucht am Spiel passen dauerhaft nie zusammen. Ich hab das jetzt in fünfeinhalb Jahren dreimal mitgemacht. Das ist irgendwie eine der wenigen Wahrheiten des Spiels…^^

  2. Ja, das ist das alte Lied. Ich war vor Urzeiten Gildenleiter einer WoW-„Familiengilde“, die sich in Sachen Raidcontent recht gut entwickelte, aber dadurch auch den Ehrgeiz einiger Mitglieder weckte. Sprich: Kaum war man aus den Kinderschuhen entwachsen, wuchsen die Ansprüche und damit der Druck auf Gildenleitung und andere Mitglieder, die grundsätzliche Ausrichtung mehr in Sachen Raidgilde voran zu treiben. Es kam, wie es kommen musste: Diskussionen, Streitereien, Abspaltungen einiger „Leistungsträger“ und der mühsame Wiederaufbau, nur um dann einige Monate später vor dem gleichen Problem zu stehen.

    All‘ diese Probleme sind aus Sicht eines engagierten Mitglieds schon bestürzend, aber was soll erst derjenige sagen, der die Gilde aufgebaut hat? Ich habe seitdem auch nie wieder den Drang verspürt, kostbare Zeit in ein solches Projekt zu stecken 🙂

    Beste Grüße aus Nürnberg,

    Sothi

  3. *seufz* so true!

    Ich hab mehrere Gilden- und Raidleiter genau daran (zer)brechen sehn seit 2005…
    In RL Volksmunde würde mans wohl als „Depression“ bis hin zu „Burnout“ bezeichnen … aber hey .. in einem Spiel kann einem sowas doch nicht wirklich passiern, oder?
    Meiner Meinung nach leider doch. (Natürlich nicht nur durch das Game. Da müssen schon die Umstände zusammenspielen)
    Genauso wie der Puls im PVP- oder Raidkampf hochjagt wenns spannend wird. Da nützt es auch nicht viel dem Körper zu sagen, ey, ist doch nur ein Spiel. Die Pulssteigerung ist echt, genau so wie die Gefühle eines Spielers (Leiter oder nicht) in so einer Situation.

    Einziges, was für mich da funktioniert hat/tut = ausgeglichenes RL und immer mal wieder nen reality-check was mein Spielverhalten angeht.

    (H)ordentlich
    ^_^ Arji

  4. Da ist extrem wenig Objektivität und sehr viel Frust rauszulesen. ^^ Aber wirkungsvoll, es triffts einfach.

    Manche Spieler wollen evtl. viel vom Spiel sehen, aber wenn sie merken, dass der Rest der Gilde ihr Ehrgeiz und Erfolgsträhnchen ausbremst, gehen sie aus der Gilde raus. Leider ist es eben bei den meisten Fällen so, dass den Spieler, die sowas mitmachen nie vorher klar sind, ob sie nun High-Content oder Standard spielen wollen. Und denen, denen sowas klar ist, schreckt es nicht ab, Gilden des Mittelstandes dafür auszunutzen sich auszurüsten, um dann bei den besseren Gilden (ich sprech immer von Gilden), ich meine Raids, mitmachen zu können.

    Jetzt mal Gilden-Rank hin oder her Imke, ich finde bei eurem kleinen Server hat das sowieso keinen Wert, außer den kleinen persönlichen, den du bestimmt auch toll findest. Ich meine, hey… immerhin drittbeste Gilde, nicht wahr?;-)

    Dafür kann der Gildenleiter nichts, drauf und drüber gibt es immer wie im echten Leben und der jahrelange Zusammenhalt einer Gilde ist auch kein Zuckerschlecken, den man als Gildenleiter allein bewältigen kann. Darum beneide ich nie Gildenleiter.

  5. Da muss ich mich wohl jetzt mal als böser Junge outen.

    In meiner Gilde bin ich einer von 2 Spielern, die Arthas sowohl im 10er als auch im 25er down haben. Die Gilde progressed gerade im 10er HC. Ich bin dagegen mit der Gilde von ein paar (ingame-)Freunden in ICC 25 HC unterwegs. Und da ich mich mit meinen 2 Abenden WOW pro Woche zu den Casualgamern zählen darf, bin ich durchaus stolz darauf, dass die Gilde mich als „Externen“ mitnimmt. Da stelle ich dann irgendwie meinen persönlichen Ehrgeiz über die Belange meiner Gilde. Aber wenn ich mir dann ansehe, was für Deppen die da durch den 10er ziehen, dann vergeht mir die Lust da mitzumachen. Im Gegensatz zu so vielen anderen versuche ich immer das absolute Maximum aus meinem Char herauszuholen. Und die Ansprüche, die ich an mich selber stelle, übertrage ich dann auch irgendwie immer wieder auf die Leute mit denen ich raide.

    Zu Vanilla-Zeiten habe ich nur gelevelt und dann kam irgendwie schon BC. In BC war ich dann stolz darauf, dass ich meinem kleinen Prot-Pala seinen Kara-Schlüssel in Randomgruppen ertankt habe, statt mich von der Gilde durch die Inis ziehen zu lassen. Oh man, mit 10k HP unbuffed das Schlabby HC getankt. Das war noch anspruchsvoll. Danach war ich nur Ersatz in meiner Gilde und bin Woche für Woche mit Random-Gruppen Kara gegangen. Als dann der Umstieg auf die 25er Raids stattfinden sollte ist die Gilde daran zerbrochen, dass hier kein Konsens gefunden werden konnte. Da bin ich dann in ne kleinere Gilde gewechselt, habe nen Schamanen hochgelevelt und nebenbei Markenruns durch Kara getankt. Über ZA und Gruul bin ich dann in BC nicht mehr hinaus gekommen. Und jetzt zu WotLK hat mich wieder der Ehrgeiz gepackt, ich bin mit frisch 80 in meine jetzige Gilde gewechselt, weil ich dachte da könnte man dann richtig durchstarten. Noch zu Naxx-Zeiten hat es dann einen Riesenstreit in der Gildenleitung gegeben und ca. 50% haben die Gilde verlassen. Davon haben wir uns bis jetzt nicht erholt. Ulduar und PDK war ich dann nur noch Random oder mit Bekannten unterwegs. In ICC habe ich dann wieder mit der Gilde 10er geraidet. Im Vergleich zu den eigenen Ansprüchen der Gilde war der Progress einfach nur schlecht. Als wir dann im Juni endlich vor Arthas standen haben wir es in 5 oder 6 verlängerten IDs es nicht geschafft ihn zu legen. Deprimierend wurde es, als dann 2 Tage später ne Radom-Grp für ne fortgesetzte ID noch Leute für den LK suchten. Da habe ich mich dann mit nem Gildie gemeldet, da wir dachten, dass ein bisschen zusätzliche Übung und eventuell mal ein alternativer strategischer Ansatz nicht schlecht wären. Obwohl da 2-3 Leute dabei waren, die den LK noch nie gesehen hatten, lag der dann 3 Stunden später im Dreck. Und vorher hatten wir an 10-12 Abenden mit der Gilde gerade mal in eine handvoll Tries P3 erreicht. Danach habe ich dann bei Bekannten im 25er ausgeholfen, den LK auch direkt gelegt und seitdem raide ich mit denen seit 8 IDs 25er HC und wir sind immerhin schon bei 9/12 (und das mit durchschnittlich 6 Schamanen im Setup ;-)).

    Keine Ahnung, ob das jetzt an meinem persönlichen Ehrgeiz liegt. Oder daran, dass ich im Grunde ein Perfektionist bin, der das Mittelmaß und die mangelnde Einsatzbereitschaft in der eigenen Gilde nicht mehr ertragen hat.

    Im Endeffekt ist es dann doch die Anonymität im Spiel, die einem prinzipiell alles ermöglicht. Und wenn man seinen Ruf ruiniert hat Namenswechsel oder Servertrans und man kann von neuem beginnen. Auch die „Pseudo“-Gemeinschaft innerhalb von Gilden hält nur so lange, wie an einem Strang gezogen wird.

    1. Das kommentiere ich mal mit einer Aussage von mir, warum mich WoW nur noch angekotzt hat:
      „Die Gilde ist eine “Zweckgemeinschaft” wo andere Mitspieler als NPCs zur Befriedigung der eigenen Pixelwünsche betrachtet werden.“

    2. Hm, dein Zitat kann ich jetzt grad nicht mit meinem Post in Einklang bringen.

      In meiner jetzigen Gilde bin ich seit fast 2 Jahren. Auch wenn ich über weite Strecken nicht mit meiner Gilde geraidet habe, habe ich ihr doch die Treue gehalten, da es dort doch einige Member gibt, die mir im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen sind. Und es geht mir jetzt auch nicht um Achievements oder lila Pixel (das kommt irgendwie alles nebenbei), sondern darum, dass ich in einem funktionierenden Raid Bosse legen will, in dem alle vollen Einsatz bringen und der Bosskill an oberster Stelle steht.

      Einer der Gründe, warum ich aktuell nicht mit meiner Gilde raide ist, dass dort Member sich durchziehen lassen, die sich weder mit ihrem eigenen Char auseinandersetzen noch in nem Bossfight alles geben. Die gehen dann mit Ihrem 6k GS posen, rennen aber als Fury mit knapp 600 Hit (bei 2 angelegten Hittrinkets) durch ICC und schaffen bei nem 30% Buff gerade mal 6k DPS an nem Boss. Woche für Woche kämpft man gegen die gleichen Bosse und Woche für Woche muss die Taktik neu erklärt werden, weil sich die Leute das dann nicht merken. Und wenn man dann mal darüber mit der Raidleitung oder nem Offi spricht, dann wird man mit irgendwelchen ausweichenden Antworten abgespeist. Und das ist etwas mit dem ich nicht klarkomme.

      Vielleicht bin ich deshalb nen Arschloch, aber damit kann ich leben.

  6. Wie eh und je sollten die Ziele der Gildenmitglieder wenigstens ungefähr dieselben sein, damit die Gildengemeinschaft für alle langfristig funktioniert und es nicht andauernd Ärger und Reibereien gibt.
    Aber gerade das macht auch eine lebendige Gilde aus, dass es immer wieder neue Ideen, gewandelte Ansprüche und andere Zielsetzungen gibt. So wird es nicht langweilig! Die Frage ist nur, ob alle das mittragen. Wenn nicht, dann muss man sich eben trennen. Habe allerdings auch schon so einige Gilden in den ich Mitglied oder Offizier war in den Jahren daran zerbrechen sehen.

    Leider führen gerade die von Dir erwähnten „tollen“ Zusatzfeatures, die es gegen Einwurf von RL-Münzen gibt, von Blizzard dazu dass die langfristige GEMEINSCHAFT immer unwichtiger wird und stattdessen dem Egoismus (der eh in der Gesellschaft überhand nimmt), Tür und Tor immer noch weiter geöffnet werden. Der eigene Ruf und die Ehre des Chars sowie die persönliche Beziehung zu anderen auf einem Server ist eben nicht mehr so wichtig, wie es früher einmal war.

    Ist also ein alter Hut dieses Thema, das gibt es so lang wie es Gemeinschaften gibt. Im Spiel (Bsp. WoW) natürlich genauso wie auch außerhalb im RL.

    Nicht den Kopf hängen lassen! Es gibt immer ein Morgen und häufig ergeben sich neue tolle Möglichkeiten nachdem etwas zerbrochen ist. Kann ich aus Erfahrung sagen. 🙂

    Viele Grüße aus der WoW-Auszeit,
    Xixuu

  7. ich sag mal nichts zu dem „jugendliche Draufgänger mit einem teilweise recht losem Mundwerk“ liebe imke ;D von dem wir beide wissen wer gemeint ist *hust* und von der saubärenbande ganz zu schweigen ^^ du wirst mit meinem anwalt sprechen müssen xD ich hab das copyright xD

    1. Ich habe nur das ausgesprochen , was ich denke 😛 Und mal ganz ehrlich, die Saubärenbande ist ja wohl die coolste Gilde überhaupt, besonders aufgrund des jugendlichen Draufgängers als Gildenleiter.

  8. Ein dritter Platz auf dem Server ist ein bissl weit hergeholt, den Rest finde ich bisschen albern, aber nach ein paar mal mehr Durchlesen auch irgendwo lustig.

    Als oft zitierter Fahnenflüchtiger kann ich sagen, ich hab nun wieder mehr Spaß am Raiden.

    Einzig den Satz back to the roots fand ich gut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert